Nachforschungen nach Heinrich Räger

Vizefeldwebel
Heinrich Gustav Arnold Räger
1898 - 1918
2.MGK RIR 232

Nachforschungen nach

Vizefeldwebel
Heinrich Gustav Arnold Räger

2.MGK - Reserve-Infanterie-Regiment 232

geboren am 12. Januar 1998
in Hannover
vermisst am 23. August 1918
bei Péronne, Frankreich

Überblick

Heinrich Gustav Arnold Räger wurde am 12. Januar 1898 in Hannover als 6. Sohn der Eheleute Heinrich Christian Friedrich Hermann Räger und Elise Johanna „Lilly“ Räger, geb. Räger, in Hannover geboren. Nach dem Besuch der Realschule II (der späteren Oberrealschule II – Herschelschule) in Hannover, begann er eine Lehre als Bankkaufmann.

Am 5. Januar 1917 wurde er nach Celle einberufen und kam schließlich zur 2. MG-Kompanie des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 232. Wann genau Heinrich zu dieser Einheit versetzt wurde ist ebenso wie sein gesamter militärischer Werdegang unbekannt. Als Offiziersanwärter erreichte er den Rang eines Vizefeldwebel, nach einigen Angaben wurde er auch schon als Leutnant geführt.

Eine ausführlichere Darstellung dieser Nachforschungen steht als PDF-Datei zur Verfügung. In diese Darstellung sind auch die einzelnen angeführten Dokumente im Original abgedruckt.

Aus der Regimentsgeschichte des RIR 232

Zuerst an der Ostfront, u.a. im Stellungskrieg in der Ukraine, eingesetzt, wurde das RIR 232 im November 1917 an die Westfront verlegt. Nachdem das Regiment von Mai - Anfang August 1918 im Bereich Cambray eingesetzt wurde, kam es am 8. August 1918 als Eingreifreserve in den Abschnitt an der Römerstraße (heutige D1029) westlich von Péronne (südlich der Somme).

Kartenskizze
Kartenskizze zum Einsatz des RIR 232 am 23.8.1918 westlich Peronne, Frankreich (Ausschnitt)

Bei Kämpfen um Rainecourt in der Zeit vom 8. - 10. August 1918 hatte das II. Bataillon so schwere Verluste, das es als kaum noch verwendungsfähig herausgezogen und als Resevere eingesetzt wurde. Die Regimentsgeschichte schreib hierzu:

11.8. (…) Das II. Bataillon war kaum noch verwendungsfähig. Es lag in Reserve südlich des Bayernwaldes in der Kamin-Schlucht und bestand nur noch aus zwei Teilen, die Reste der 5. und 6. Kompanie unter Feldw.-Leutn. Kaiser, die der 7. und 8. Kompanie unter Leutnant Söllig. Auch der Führer des M.W.-Zuges, Leutnant d. R. Kliesch, war schwer verwundet. In dieser Stellung blieb das Regiment bis zum 23.8. Die Lage sehr ungünstig und forderte den Engländer geradezu zum Stoß in die Linke Flanke auf. Der linke Nachbar lag am Casino-Wald und in Herleville.

Quelle: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 232 in Ost und West. Nach den amtl. Kriegstagebüchern, persönlichen Aufzeichnungen und Erinnerungen bearbeitet von Erich v. Barttenwerffer, Oberst a.D. und Dr.phil. Alfred Herrmann, Oberst d.R.a.D., aus der Schriftenfolge Erinnerungsblätter deutscher Regimenter.

Die 2. MG-Kompanie, zum II. Bataillon gehörig, wird in der Regimentsgeschichte nicht erwähnt. Es kann daher nicht gesagt werden, ob sie im Verbund mit den anderen Kompanien des Bataillons als Reserve oder einem der anderen Bataillone zugeordnet direkt in der Front eingesetzt wurde. Dies lässt sich auch weder der Verlustmitteilung der Einheit noch den späteren Briefen der Kameraden entnehmen.

Der genaue Einsatzort von Heinrich an seinem letzten Tag, dem 23.8.1918 lässt sich daher nicht näher eingrenzen. Die Regimentsgeschichte beschreibt diesen Tag folgendermaßen:

(…) So nahte der 23.8. heran. Es sollte für uns der schicksalsschwerste des ganzen Feldzuges werden. Am Tage vorher schoß sich der Feind mit schweren Kalibern auf das ganze Hintergelände ein. Niedrig fliegende Flugzeuge kreisten über der Front. Kein eigener Flieger ließ sich sehen. Kein Flakgeschütz schoß. So konnten sie ungestört ihre Beobachtungen ergänzen.

Um 5.45 Uhr morgens meldet das III. Bataillon Tankgeräusche vor der Front. Etwa drei Minuten später – nach Aussage des Sergeanten Mikulski der 6. Kompanie ging ein schwerer Schuß als scheinbares Zeichen voraus – setzte außerordentlich starkes Feuer aller Kaliber, vermischt mit Gas- und Nebelgranaten, auf die gesamte Regiments-Stellung und Anschlußlinien, auf die vorderen Teile, Reserven, Waldgelände, Mulden, hinter dem Bayernwald und an der Römerstraße ein.(…)

(…)Nach 6 Uhr morgens verlegte der Feind sein Artillerie-Feuer rückwärts. Es lag jetzt besonders auf den Hängen westlich Foucaucourt, sehr stark beim Regiments-Gefechtsstand, auf dem dahinter gelegenen Brigadewäldchen und den alten Gräben. 6.15 Uhr morgens waren Tanks auf der Römerstraße sichtbar. Doch kein Tankgeschütz schoß.(…) Einzelne Leute kamen von der Kaminschlucht her und meldeten feindliche Tanks und starke englische Infanterie im Vormarsch von dort und aus Richtung Herleville.(…)

(…)Die schwachen Kräfte des Bereitschaftsbataillons, II. Bataillon, besetzten, sowie das Feuer es ermöglichte, ihre Aufnahmestellungen südlich des Bayern-Waldes an der Römerstraße. Sie wurden sofort von drei Seiten von Tanks und Infanterie angegriffen. Auch aus der Südostspitze des Bayern-Waldes drangen ihnen Engländer in den Rücken. Nur kleine Teile unter Feldwebelleutnant Kaiser schlichen sich an der Straße durch die Baracken entlang und besetzen nördlich der Straße eine Höhe, konnten sich aber nicht lange halten. Nach Vereinigung mit MG-Mannschaften des II. und III. Bataillons und Minenwerferbedienungen des II. Bataillons unter Leutnant Kretschmer nahmen sie etwas weiter rückwärts Stellung. (…)

(…) Der Tag wurde dem Regiment zur Katastrophe. Er kostete ihm seinen alten guten Stamm. Alle drei Bataillons-Stäbe, sämtliche Kompanieführer, sämtliche Ärzte, der größte Teil der vorzüglichen Fernsprecher, über 600 Köpfe, nachdem wir schon in den Tagen vom 8. bis 22.8. 300 Köpfe eingebüßt hatten. Außer den Offizieren und einem Teil der Leute des Regimentsstabes entkamen zwei Offiziere, Leutnant d.R. Kretschmer und Feldwebelleutnant Kaiser, und 42 Unteroffiziere und Mannschaften meist vom II. Bataillon und der am weitesten rechts liegenden 4. Kompanie.

Quelle: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 232 in Ost und West - S. 164 ff.

Wo genau Heinrich eingesetzt war ist nicht klar. Da die 2. MG-Kompanie zum II. Bataillon gehörte, war er möglicherweise in der oben genannten Auffangstellung südlich des Bayernwaldes eingesetzt. Aud die im folgenden abgedruckten Briefe von Kameraden, die von Heinrichs Brüdern angeschrieben wurden um sein Schicksal zu klären, geben keine weiteren Hinweise. Genaueres kann daher nicht mehr geklärt werden.

In der im Buch "Das Reseve-Infanterie-Regiment Nr. 232 in Ost und West" abgedruckte Verlustliste des Regiments ist er nicht verzeichnet. In den offiziellen Verlustlisten wird er in Ausgabe 2137 vom 04.10.1918 folgendermaßen angegeben:

Räger, Heinrich, Vizefeldw - 12.1. Hannover - verwundet und in Gefangenschaft

Quelle: Deutsche Verlustliste (Pr. 1259), Ausg. 2137 (4.10.1918), S.26746

In der Online-Gräbersuche des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. sind die folgenden Angaben zu finden:

Heinrich Gustav Arnold Räger
Nach den uns vorliegenden Informationen gilt Heinrich Gustav Arnold Räger als vermisst.
Nachname Räger
Vorname Heinrich Gustav Arnold
Dienstgrad Leutnant
Geburtsdatum 12.01.1898
Todes-/Vermisstendatum: 23.08.1918
Todes-/Vermisstenort: Homancourt/Péronne

Der beim Volksbund und in den Familienunterlagen angegebene letzte Einsatzort Homancourt/Péronne existiert nicht (oder nicht mehr?), wird allerdings auch in der Regimentsgeschichte nicht erwähnt. Möglicherweise beruht diese Angabe auf einem Schreib- oder Lesefehler. In Frage kommende Orte wären Rainecourt, heute Framerville-Rainecourt oder Foucoucourt, was auch mit der Regimentsgeschichte übereinstimmen würde. Darüberhinaus tritt die Endung -court in der Gegend recht häufig auf.

Die Auffangstellung, als vermutlicher letzter Einsatzort, dürfte ca. 1 km nordöstlich von Rainecourt an der Römerstraße, der heutigen D1029, liegen, wo noch Reste des ehemaligen "Bayernwaldes" vorhanden sind. Inwieweit dort noch Spuren der Kämpfe zu sehen sind, ist aus den mir vorliegenden Satellitenfotos (Google-Maps) nicht ersichtlich.

Briefe von offizielen Stellen

Offizielle Mitteilungen

Die offizielle Meldung der Einheit 2.M.G.K. 232 erfolgte mit Datum vom 25. August 1918 durch einen Feldwebel Heinemann an den Vater Hermann Räger in Hannover:

Zu unserem Bedauern müssen wir Ihnen mitteilen, daß ihr Herr Sohn am 23/8 in engl. Gefangenschaft geraten ist. Bei einem scharfen Vorstoß der Engländer mußten wir dem Drucke nachgeben u. etwas zurückgehen. In diesem Augenblicke wurde Ihr Herr Sohn verwundet, sodaß er nicht gleich folgen konnte. Welcher Art die Verwundung war, konnte nicht sogleich festgestellt werden. Sobald wir näheres erfahren, geben wir Ihnen weitere Nachrichten, u. erbitten dasselbe auch von Ihnen.

Mit vorzüglicher Hochachtung
Heinemann
Feldwebel

Auf eine Anfrage des sich zu dieser Zeit in britischer Gefangenschaft befindlichen Bruders Wilhelm Räger erhält dieser vom Prisoners of War Information Bureau am 15. November 1918 auf einem Vordruck die Nachricht (handschriftliche Zusätze fett):

Auf Ihre Anfrage vom 27.Oct(?) teilt Ihnen der Director ergebenst mit, daß das amtliche
Verzeichnis der zurzeit gemeldeten Kriegsgefangenen (Zivil- sowohl als Militärpersonen)
und auf dem Schlachtfeld tot Aufgefundenen {den/die} Namen, oder (bei vorkommendem
Namen) die betreffenden Personalien der untengenannten {Person/Personen} nicht enthält.

Vizefeldwebel Heinrich Räger
Res.Inf.Regt. 232 M.G.K.

Auch Anfragen an die Kriegsgefangenenhilfe Hannover und das Zentral-Nachweise-Amt (ZAK) blieben ergebnislos.

Briefe von Kameraden

Neben der offiziellen Mitteilung der Einheit liegen mir auch verschiedene Briefe von Kameraden vor, die nach dem Krieg von Heinrichs Vater und Brüdern angeschrieben wurden, um sein Schicksal zu klären. Einige dieser Briefe wurden noch aus der Gefangenschaft heraus geschrieben.

In mehreren dieser Briefe wird erwähnt, das Heinrich schon vorher an der Hand verwundet gewesen sei und diese in einer Binde trug, z.T. wird eine Blutvergiftung erwähnt. Einer der Kameraden, der allerdings am fraglichen Tag nicht bei der Einheit war, nennt einen Hodenschuss. Allerdings ist das Wort schlecht lesbar, es könnte durchaus auch einen Handanschuss o.ä. bedeuten. Mir erscheint dieser Hodenschuss fraglich. Mit einer solchen Verwundung wäre der Versuch, sich nach hinten abzusetzen, sicher nicht möglich gewesen. Es hätte also nur eine Verwundung während dieses Versuchs sein können, es hätte dafür also einen Zeugen geben müssen. Wenn auch die Einheit und die offizielle Verlustliste von "verwundet und in Gefangenschaft" spricht, war anscheinend ein solcher Zeuge nicht aufzufinden. Alle anderen Kameraden sprechen davon, das Heinrich sich absetzten wollte und seither nicht mehr gesehen wurde.

So schildert in einem auf den 30.8.1918 datierten Feldpostbrief der Gefreite Gustav Fuge, möglicherweise ein Freund des Vermissten, die Vorgänge. Da er jeodch laut seiner eigenen Aussage erst am 27.8. zum Regiment gestoßen ist, kann er diese Informationen lediglich aus 2. Hand erhalten haben.

den 30/8.1918

Werter Herr Räger und Frau!

Ich muß Sie die mitteilung machen daß Ihr Sohn der Vizefeldwebel verwundet ist. er hat einen Hodenschuß (?) und ist jetzt vermißt. Ich bin am 27. August zum Regiment gekommen und mußte erfahren daß die große Hälfte in Gefangenschaft geraten ist sogar alle drei Stäbe vom Regiment bloß der Regimentsstab und 2/3 der Gefechtsbagage ist zurückgekehrt, es soll sehr böse hergegangen haben. Ich werde daß Paket sobald wie möglich wenn wir in Ruh sind abgeben oder zurücksenden. Ich werde es wohl im September mit einem Urlauber nach Hannover schicken. Es läßt sich sonst schlecht machen aber die Marmelade hat das Paket durchfeuchtet und habe die rausgenommen.

Werter Herr Räger wenn ich sollte wass nähres über ihren Sohn erfahren so teile ich dass mit. Ich will schließen in der Hoffnung, dass die Sache bald aufgeklärt wird.

Momentan sieht es Böse aus hier an der Front.

Auf ein Wiedersehen

Es grüßt sie herzlichst

Gefreiter Gustav Fuge
2. M.G.K. II. Batl.
Reserve Inf. Reg. N.232

Einige der Kameraden geben an, Heinrich am 23. August bei Beginn des Angriffs gegen 6 Uhr noch gesehen, ihn dann allerdings aus den Augen verloren zu haben. Auf den Sammelplätzen für die Gefangenen habe man ihn dann nicht angetroffen. So schreibt der Schütze Willi Kemmerich:

(…) Als am 23.08.18 das Gefecht im Gange war, wollte er sich noch retten und wollte noch durch Sperrfeuer. Ich bin sicher, daß keiner an dem Morgen durch Feuer gekommen ist. (…)

und der Schütze Georg Milke schreibt aus der Kriegsgefangenschaft:

(…) Als wir am 23ten August gefangen wurden, versuchten Ihr Bruder und mehrere Kameraden kurz zuvor sich zurück zu ziehen, was jedoch bald eine Unmöglichkeit war. (…)

In zwei Schreiben, das erste am 10. März 1919 aus der Kriegsgefangenschaft, schildert der Schütze Fritz Muth die Ereignisse:

(…) am 23.August ging er noch zurück und einige welche bei ihm waren sind auch in Gefangenschaft geraten. Ein Durchkommen war fast unmöglich, aber in Gefangenschaft ist er wohl nicht, sonst hätte ich ihn sehen müssen (…)

Im Zweiten Schreiben, datiert auf den 9: Oktober 1919 schreibt er dann ausführlicher:

Kl-Giesen, den 9. Okt. 1919

Sehr geehrter Herr Räger!

Über den Verbleib Ihres Sohnes Heinrich hatte ich Ihnen schon einmal aus der Gefangenschaft Mitteilung gemacht, nun werde ich Ihnen aus meiner Heimat alles schreiben, was ich gesehen habe. Am 23. August früh 6 Uhr begann der Angriff und da sah ich Heinrich nach hinten laufen mit einigen Kameraden, die meisten gerieten in Gefangenschaft, da ja hinter uns schon eine feindliche Linie war, das Feuer war sehr stark und manch einer fiel beim zurücklaufen. Heinrich konnte sich überhaupt nicht helfen oder verteidigen da er wenn ich nicht irre Blutvergiftung an der rechten Hand gehabt hatte und den Arm in einer Binde trug. Als Gefangener war ich dann 8 Monate dort und haben das ganze Gelände abgesucht auch habe ich in der ganzen Komp. bekannt geben lassen, wer eine Leiche finde soll es mir sagen aber alles blieb erfolglos, einige haben wir ja gefunden aber das waren keine von uns nur ein Untffz. wurde gefunden und den kannte ich persönlich, (…)

Man kann also davon ausgehen, das Heinrich am Morgen des 23. August 1918 seine umgangene Stellung verlassen hat, um die rückwärtigen Linien zu erreichen. Ob er zu diesem Zeitpunkt bereits verwundet war ist nicht zu klären. Ebensowenig sein weiteres Schicksal. Mögliche Zeugen, die hätten aussagen können ob und ggf. wie er auf diesem Weg verwundet wurde, konnten nach dem Krieg nicht mehr gefunden werden. Möglicherweise beruht die Aussage des Fritz Muth und die Mitteilung des Feldwebels Heinemann auf solchen Zeugenaussagen. Mit den derzeitig vorliegenden Unterlagen ist jedenfalls eine weitere Klärung seines Schicksals nicht möglich.

Angaben des "Wachtmeisters Gustav Uschwa"

Im Februar 1920 meldete sich bei Heinrichs Eltern ein "Wachtmeister Gustav Uschwa von der Sicherheitspolizei Berlin", der angab, Heinrich sei im August oder September 1918 von einem Kriegsgericht der X. Armee in St. Germain zu 4 Jahren Haft verurteilt und sitze im Gefängnis Bordeaux ein.

Nachfragen ergaben, daß bei der Sicherheitspolizei Berlin ein Unterwachtmeister Gustav Uschwa zwar eingestellt worden war, dieser sich jedoch nur mit einem Kriegsgefangenen-Entlassungsschein ausgewiesen, sich schon am Tag nach der Einstellung unerlaubt entfernt habe und inzwischen wegen Betruges gesucht werde.

In einer Fahndungsliste vom März 1920 wird vor diesem sogenannten "Wachtmeister Uschwa" gewarnt, der offensichtlich gezielt Familien vermisster Soldaten ansprach.

Besondere Warnung. Ein angeblicher Wachtmeister der Sicherheits-Polizei, Abteilung III, Gruppe III, Gustav Uschwa, wendet sich an Familien, von denen Angehörige vermißt werden, mit der Behauptung, diese Angehörigen seien in Gefangenschaft. Uschwa ist Schwindler. Es wird um seine Verhaftung und gegebenenfalls um Mitteilung nach hier ersucht.

Fahndungsliste Nr. 11 des Heeresabwicklungsamts Preußen vom 30.03.1920, Nr. 877

Im Zuge der Ermittlungen gegen diesen angeblichen "Wachtmeister Uschwa" stellte sich heraus das es zwar einen Kürschner Gustav Uschwa aus Magdeburg gab, der jedoch nicht mit dem angeblichen "Wachtmeister Uschwa" identisch war. Der echte Gustav Uschwa war am 12. Februar aus dem Durchgangslager Münsingen entlassen worden. Während seiner Kriegsgefangenschaft hatte sich der Betrüger die Personalien des Gustav Uschwa von dessen Eltern in Magdeburg beschafft indem er sich als Kriminalbeamter ausgab. Uschwa erklärte, das er niemals in Bordeaux war, auch nicht im RIR 232 gedient hatte und zu einer Gegenüberstellung mit den geschädigten Personen bereit sei.

Offizielle Todeserklärung

Eine offizielle Todeserklärung erfolgte erst nach dem Tod von Heinrichs Vater Hermann Räger und dessen 2. Ehefrau Helene Räger, geb. Bernack, im Zuge der Regelung des väterlichen Erbes im Jahr 1956. Dies war von Hermann Räger in seinem Testament entsprechend verfügt worden.